Niedersorbische Rechtschreibung

Es werden die gültigen Regelungen zur niedersorbischen/wendischen Orthografie und Interpunktion zugänglich gemacht. Als Ausgangstext dient die entsprechende Publikation von Manfred Starosta in zweiter Auflage aus dem Jahr 1982. Änderungen, die auf neuen Bestimmungen der Niedersorbischen/Wendischen Sprachkommission basieren, wurden von den Mitarbeitern des Sorbischen Instituts in den Text eingearbeitet. Durch einen Mausklick auf »Änderungen verfolgen« kann man sich die jeweilige Änderungsgeschichte anzeigen lassen. Ausführliche Informationen zur Bearbeitung des Texts finden Sie in den Informationen.

¹ Starosta, Manfred, Niedersorbische Orthographie und Interpunktion. Regeln. (2., bearbeitete Auflage). Domowina-Verlag: Bautzen/Budyšyn, 1982.

1.4.2.1.1.Namen von Menschen und Lebewesen

157

Groß schreibt man alle Vornamen, Familiennamen, Hausnamen, Pseudonyme, Namen von Dynastien usw.

Beispiele:

Ramona, Lowiza, Fryco, Juro, Krawcojc, Šlodarjowa, Damaŕ, Nabuda, Došańske (als Hausname), Radyserb, Ćišinski, Habsburgarje

Merke: Personennamen werden mit einem kleinen Anfangsbuchstaben geschrieben, wenn sie in übertragener Bedeutung gebraucht werden: Judaš (= ein Apostel in der Bibel) – judaš (= Verräter), Xanthippa (= Frau des Sokrates) – xanthippa (= zanksüchtiges Weib), Kito (= männlicher Vorname) – kito (= ungeschickter Mann) usw.

158

Groß schreibt man alle Gruppennamen (Namen von Nationen, Völkerschaften, Stämmen und Sippen, Einwohnernamen hinsichtlich der Kontinente, Länder, Staaten, Städte, Dörfer und Landschaften).

Beispiele:

Serb, Dolnoserb, Nimc, Rus, Arabaŕ, Milcanaŕ, Obodrit, Burgundaŕ, Romaŕ, Europejaŕ, Amerikanaŕ, Afrikanaŕ, Skandinawijaŕ, Słowjan, Barlinaŕ, Gubinaŕ, Drjejcanaŕ, Žylowaŕ, Strobicaŕ, Łužycanaŕ, Błośanaŕ, Indianaŕ, Indio (indekl.), Indijo [verabschiedet 2014-02-19; Das Wort »Indianaŕ« wird in der allgemeinen Sprache als Name einer Gruppe indigener Völker in Amerika benutzt und fällt folglich unter § 158 (= wird mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben). In Sätzen wie »Źiśi su grali cowboyje a indianarje« (Die Kinder haben Cowboy und Indianer gespielt) wird das Wort »indianaŕ« in einem anderen Sinn verwendet und deshalb mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben.]

Merke: Diese Namen werden mit einem kleinen Anfangsbuchstaben geschrieben, wenn sie in einem anderen Sinn gebraucht werden: wy cygany, su grali cowboyje a indianarje.

159

Klein schreibt man ebenfalls Personenbezeichnungen nach ihrer näheren charakteristischen Umgebung.

Beispiele:

zagólanaŕ, górak, łukanaŕ, pólak, pěskaŕ usw.

160

Klein schreibt man Bezeichnungen von Personen nach ihrer Hautfarbe.

Beispiele:

běłak, blědnik, carnak, cerwjenik, žołty [verabschiedet 2014-02-19; Das Wort »carnak« ist eine Bezeichnung von Personen nach ihrer Hautfarbe und fällt somit unter den § 160 (= wird mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben).]

161

Klein schreibt man Bezeichnungen von Anhängern einer Bewegung, auch wenn diese Bezeichnungen vom Namen ihres Gründers, Führers oder Sitzes abgeleitet sind, weiterhin die Bezeichnungen von Mitgliedern politischer Parteien, Massenorganisationen und Gesellschaften, von Angestellten der Betriebe, von Angehörigen eines Glaubensbekenntnisses u. ä.

Beispiele:

kśesćijański demokrat, hegelianaŕ, stachanowaŕ, komunist, socialdemokrat, komsomolc, źěłarnik, maśicaŕ, sokoł, lutheranaŕ, buddhist, katolik, kalwinist

Merke: In einigen Einzelfällen schreibt man diese Bezeichnungen traditionsgemäß mit einem großen Anfangsbuchstaben: z. B. Domowinaŕ, Młodoserb.

162

Groß schreibt man Namen von religiösen, mythischen und allegorischen Einzelwesen sowie Märchengestalten.

Beispiele:

Buddha, Bog, Jupiter, Apollo, Swantowit, Pšawda, Lubosć, Cerwjenawka, Sněgoběłučka

163

Klein werden solche Bezeichnungen geschrieben, die nicht Namen von Einzelwesen sind.

Beispiele:

bog (verschiedene), janźel, cart, nyks, plon, lutk

164

Groß schreibt man Tiernamen.

Beispiele:

Minka, Karo, Tšoli, Běła, Trina, Liza